Abriss der Geschichte St. Stephans

(Unbearbeitetes Referat zur Geschichte St. Stephans)

 

1) Die romanische, frühgotische Kirche

 

1007 Gründung des Bistums Bamberg durch König Heinrich II

Zwischen 1007 und 1009  Gründung des Kollegiatstifts St. Stephan durch Bischof Eberhard

natürlich im Auftrag des Königs und unter Verzicht auf den Grundbesitz seitens Kunigundes, Beteiligung Kunigundes umstritten aber wahrscheinlich, Wohnort der Kunigunde im alten Kanonikerhof Stephansplatz 1 (heute Maria-Hilf-Schule; spätgotisches Relief mit Kunigunde und  St. Stephan, davor kniend Kanoniker Anton von Rotenhan)

Gründung einer Stephanskirche vielleicht aufgrund des Vorbilds Santo Stefano rotondo in Rom (Bamberg als deutsches Rom), vielleicht deswegen Kreuzform 

 

24.4.1020 (weißer Sonntag) Weihe der Kirche St. Stephan durch Papst Benedikt VIII  in Gegenwart des Kaiserpaares Heinrich II und Kunigunde und 72 Bischöfen (bis vor einigen Jahren einzige Kirche nördlich der Alpen, die von einem Papst geweiht wurde), Stiftungsgeschenk Heinrichs wohl  Bamberger Apokalypse, Kirche nicht allzu umfänglich, aber prächtig ausgestattet, Grundform des Kreuzes schon angelegt

Gründungsbau mit vier, nahezu gleich langen, einschiffigen Flügeln (siehe Bild Wolfgang Katzheimer Apostelabschied 1487 im historischen Museum)

 

Kollegiatstift

Stiftung „damit dort die geringen Leute und die Frauen einen Ort fänden, wo sie nach kanonischer Regel in den Dienst Christi aufgenommen werden könnten.“

Anlage als Doppelstift umstritten,

Immunität St. Stephan war ein eigenes kleines Gemeinwesen mit eigenen Rechten, eigenen Einkünften, eigenen Rechten;

Körperschaft von Weltgeistlichen, die rund um die Kirche in den Kurienhöfen wohnten, lebten nach der Augustiner-regel, Geistliche mussten nicht unbedingt aus adligen Familien stammen (anders Dom)                  

Tendenz:  Abgrenzung zum Dom,

Leitung durch Dekan und Propst, anfangs gemeinsames Leben, im Chor gemeinsame Gottesdienste, im angrenzenden Kapitelsaal Zusammenkünfte, im Hof dahinter Kreuzgang

möglicherweise Leitung einer Schule, später wohlhabende Leute

 

Wichtig: St. Stephan war in seiner Anlage und Nutzung den Stiftskanoniker „auf den Leib gebaut“, deswegen Betonung des Chorraumes, keine Pfarrkirche, Johanniskirche diente als Taufkirche

 

1235 Erbauung des noch heute stehenden, spätromanischen-frühgotischen unteren Teils des Turmes, vielleicht vom Bautrupp der Domtürme, damals mit steilem, kantigen Helm (siehe Kunigundendarstellungen)   (eine der ältesten Glocken der Stadt von ca. 1300 erhalten)

Stiftung zahlreicher Altäre in dieser Zeit (Peter und Paul, Maria, Stephan, Leonhard, Heinrich, Kunigunde, Thomas, Laurentius, Fronleichnamskapelle), Verehrung eines Wandbildes der Kunigunde

 

um 1300 Bau eines frühgotischen Chores, Reste im Boden um die Kirche entdeckt

 

2) Die nachgotische, barocke Kirche

 

1628/29 Erneuerung des Chores der baufällig gewordenen Kirche durch Johann Bonalino (ansässig in Scheßlitz) nach Plänen von Valentin Juncker (brandenburgischer  Baumeister)

Chorraum: in nachgotischem Stil (Gotik nachempfundener Barockstil, damals eigentlich altmodisch), Kern alter gotischer Chor, zu sehen sind noch die zugemauerten, langen gotischen Fenster,

Decke: Schlusssteine (entworfen Abraham Groß, gefertigt von Bartholomäus Ilsanck):

Stuckfiguren: Entwurf wohl auch Abraham Groß, Stukkator der Figuren Hans Hirsch von Gaildorf, im Chorbogen: Maria mit Kind zwischen Stiftern Heinrich und Kunigunde, sowie Bischof Otto von Bamberg (Bamberger Fraktion), links davon Petrus mit dem Schlüssel, rechts Paulus mit Buch und Schwert, links noch Märtyrer Laurentius mit dem Rost, rechts Bischof Kilian von Würzburg, das ja gleichsam die „Mutter“ des Bistums Bamberg war

 

Früher Abschluss des Chores zur Kirche mit Bretterwand, kein Weiterbau infolge des Krieges

 

Neubau des Lang- und Querhauses

in den Jahren1659 - 62 aus Holz (lokale Baumeister)

1677-80 Totalabriss und Neubau der drei Kirchenschiffe durch Antonio Petrini (in Würzburg fürstbischöflicher Baumeister z.B. Hauger Stiftskirche, zehn Jahre später Erbauer von Schloß Seehof),

Stil: Renaissance verwandter italienischer Barock, italienische Arbeiter

Planung einer Kuppel über der Vierung, aus Geldmangel nicht vollendet 

Stattdessen Stuckrelief von Johann Jakob Vogel von 1688 Martyrium des Hl. Stephanus,

Relief für Betrachter im Chorraum geschaffen!

 

Prachtfassade auf der Westseite (Eisgrube), zu sehen früher vom Kaulberg aus, heute nur noch Wappen von Peter Philipp von Dernbach (Bischof 1672-83)

Hier kein Eingang, da keine Nutzung als Pfarrkirche.

Stuckierung von Johann Anton Ravelli und Johann Jakob Vogel

Chorgitter von Hofschlosser Gottfried Vinzenz (Reste am Boden noch sichtbar!)

Bau der Sakristei (Außenwand heute in der Sakristei)

1695 Einzug einer Orgelempore, barocker Orgelprospekt von Johann Georg Götz

ebenso wie prächtige Stephanuskanzel (heute in Frensdorf)

 

1699 Neue Turmbekrönung von Michael Scherer

 

24. 7.1717 festliche Neueinweihung durch Weihbischof und Generalvikar Johann Werner Schnatz

 

1769 Rokoko-Chorgestühl von Bernhard Kamm

 

1803 Schließung der Kirche (Säkularisation, französische Besetzung Bambergs), Verwendung als Obstmagazin, Beginn des Ausverkauf der Inneneinrichtung (Stephanuskanzel in Frensdorf, Tabernakel mit Mittelteil des Altars  nach Höfen im Altar der Dorfkirche, große Kunigunden-glocke in die Obere Pfarre, Beichtstühle nach Gangolf von dort ins Dommuseum, Altar von 1680 nach Baunach, Hochaltar mit Gemälde von Rottenhammer verschollen)

 

3. Die evangelische Gemeindekirche

10.6.1807 Bestimmung der Stephanskirche zur ersten protestantischen Pfarrkirche Bambergs durch König Max Joseph von Bayern, damals etwa 160 Evangelische, vorher zur Gemeinde Walsdorf gehörig, kein Grund außerhalb der Kirche, Verlegung des Konsistorialrates Fuchs von Würzburg nach Bamberg, da Napoleon Würzburg dem Herzogtum Toskana zuschlug

 

28.1.1808 Einweihung  als evangelische Kirche (erste evangelische Predigt Johannes Schwannhäuser in der Reformationszeit in St. Gangolf), Schenkung einer noch erhaltenen Altardecke durch Königin Karoline, weiterer Ausverkauf

 

Abschluss des Chores mit Bretterwand, aus Teilen des Hochaltars (Säulen) fertigte man Predigtstuhl, Aufstellung des Predigtstuhls oberhalb der Stufen zum Chor, blau bemalte Vorhänge, theatralisch mit Quasten und Fransen verziert

Chorgestühl an die Seiten der Kirche gestellt, Orgelwerk durch Restauration völlig ruiniert, Neutünchung der Wände, südlicher Eingang (damals zur Porzellanfabrik) zugemauert, Einbau eines Windfangs

Kirchliche Situation nicht einfach: 3 Jahre Pfarrstelle unbesetzt, danach Clarus Dekan auch von Michelau, aber kirchlich gut gestellt

Anfangs gute Ökumene (z.B. Sammeln für die kath. Kirche in Ansbach), danach Jesuitenmission 1850

hinter Bretterwand Fenster vielfach eingeworfen, polizeiliche Aufsicht deswegen

1822 Bierkeller direkt neben der Kirche ausgehoben

1826 Neubau Schullehrerseminar direkt an die Südfassade, Beschädigungen

1830 Besuch Königin Therese zum Jubiläum der Confessio Augustana

1840 Beseitigung der Bretterwand, Aufstellung des alten Altars, Anbringung der Kanzel, Orgelreperatur (1850 schon 2200 Evangelische)

Dez. 1843 Besuch Kronprinz Maximilian und Gemahlin Marie (aus Preußen) zu längerem Aufenthalt in Bamberg, Einbau der Königsloge aus Staatskosten, Neutünchung

1863 König Otto von Griechenland mit Ehefrau Amalie (Prinzessin aus Oldenburg) in Bamberg, Amalie lebte hier bis 1875, benutzte Königsloge, letzter Gast 27. August 1882 Kronprinz Friedrich Wilhelm

1892 neue Orgel von Steinmeyer, ab 1887 elektrische Beleuchtung, 1902 Einbau einer Heizung

Im Jahr 1905 6494 Evangelische, davon 662 aus dem Militär,

Gemeinde reichte bis Scheßlitz

Guter Kirchenbesuch, 55% Abendmahlsbesuch übers Jahr

1906 Renovierung, Neuverglasung der Fenster, Erweiterung der Orgelempore

1953 Renovierung wegen Kriegsschäden, Neutünchung rötlich gebrochenes Weiß, Kapitelle goldocker

1961 Glockenweihe, jetzt insgesamt 10 Glocken

1975 –87 Außen- und Innenrenovierung,

1977 Turmsanierung, Öffnen des Turmknopfes, Fund von Bleitafeln von 1699 und 1773

Wiederherstellung der Zentralbaustruktur

1985 neugestaltete Altarinsel durch Jürgen Goertz

 

Heute Gemeinde ca. 5700 Gemeindeglieder (inklusive Philippus und Stegaurach)

Struktur im Altersdurchschnitt gemischt, eher bürgerlich, volkskirchlich orientiert

Pfarrstellen: Dekan, 2. Pfarrstelle, z.A. Stelle, Stelle: Philippus + Stegaurach, Krankenhauspfarrer 

 

Pfr. Andreas Steinbauer